[Rezension] Mari Jungstedt – Den du nicht siehst

Ein älterer Herr findet während seines alltäglichen Spaziergangs eine tote Frau. Neben der, mit einer Axt hingerichteten Frau, liegt zudem ein Hund, dem die Pfote abgetrennt wurde. Die Ermordete ist der erste Fall für Anders Knutas. Der Journalist Johan Berg bekommt von einem Informanten aus Gotland Informationen aus erster Hand und ist dadurch annähernd so gut informiert wie Knutas’ Ermittlerteam. Dies macht die Ermittlungen für die Polizei nicht einfacher, da über die Presse Dinge nach außen kommuniziert werden, welche Knutas, aus ermittlungstaktischen Gründen, gern zurückgehalten hätte. Nachdem eine zweite Frau, ebenso mit einer Axt getötet wurde, spekuliert die Presse bereits, dass man es mit einem Serienmörder zu tun hat. Die Kripo findet aber keine Hinweise auf den Mörder. Durch den dritten Mord, wieder an einer Frau, wächst der Druck auf das Ermittlerteam. Verzweifelt suchen sie nach Verbindungen, welche zwischen den Ermordeten bestehen. Bislang wissen sie nur, dass alle drei nicht vergewaltigt wurden, aber ihnen der Mörder, ihre Unterhosen in den Mund stopfte. Die Presse erweist sich bei der Suche, anfangs nicht als hilfreich…

“Den du nicht siehst” ist der erste Fall für Hauptkommissar Anders Knutas von der Kripo Gotland. Mari Jungstedt ist ein gutes, wenn auch nicht spitzenmäßiges Debüt ihres Ermittlers gelungen. Die Handlung ist durchaus spannend, logisch und schnell lesbar erzählt. Am Schluss werden einige Sachen durchaus etwas unglaubwürdig. Irgendwie gehört dies. aber mittlerweile zu modernen Krimis dazu. Besonders interessant ist die Tatsache, dass sich die Autorin nicht mit detaillierten Charakterbeschreibungen des Ermittlers verzettelt, vielmehr zeigt sie die Konflikte in der Beziehung Polizei/Presse auf. Dadurch wird auch das Hauptaugenmerk mehr auf die Handlung gelegt. Ich werde mir auf jeden Fall auch die nächsten Fälle von Anders Knutas holen.

[Rezension] Viveca Sten – Tödlicher Mittsommer: Thomas Andreassons erster Fall

Im schönsten Sommer wird auf Sandhamn, dem westlichsten Teil der Stockholmer Schärenwelt, eine männliche Leiche in einem Fischernetz angespült. Eine Woche später wird auf der Insel eine Frau mit zahlreichen Verletzungen tot aufgefunden. Kommissar Thomas Andreasson nimmt sich dem Fall an. Als schließlich noch eine weitere Leiche eines Sandhammer Einwohners gefunden wird, besteht höchster Handlungsbedarf. Andreassons Ermittler-Team kommt aber nicht zügig voran, mit den Ermittlungen. Andreasson hat nebenbei noch ein Unglück in seiner Familie zu verkraften. Bei den Ermittlungen trifft er auf seine Jugendfreundin Nora, deren Familienleben sich während der Handlung auch immer schwieriger gestaltet. Dem Leser stellt sich die Frage, ob es den Ermittlern gelingt, den Täter ausfindig zu machen, bevor noch weitere Menschen ihr Leben lassen müssen.

Das Kommissaren-Debut von Thomas Andreasson ist einer der besten nordischen Krimis, die ich seit langem gelesen habe. Der Autorin gelingt es brilliant, die Handlung mit einer Landschaftsbeschreibung der Schären und speziell Sandhamn zu verknüpfen. Zudem lässt sie ihre Figuren allzu menschlich wirken, indem sie gekonnt, diverse Familienprobleme skizziert. Besonders gefällt mir, dass die Hauptpersonen ihre Probleme nicht im Alkohol ertränken, wie es bei vielen anderen nordischen Autoren der Fall ist. Dieses Klischee ist für mich mittlerweile so abgedroschen, dass es schon nicht mehr kreativ ist. Insgesamt ist es ein starkes Krimi-Debut von Viveca Sten. Ich freue mich bereits auf die nächsten Fälle. Bei Kiepenheuer & Witsch ist mittlerweile der zweite Fall (Tod im Schärengarten) erschienen. Der dritte Fall (Die Toten von Sandhamn) wird am 14. Mai in deutscher Sprache veröffentlicht.

[Rezension] Leena Lehtolainen – Auf die feine Art: Maria Kallios zweiter Fall

Auf einem privaten Gartenfest wird Maria Kallio von einer jungen Frau eingeladen, am nächsten Tag zu ihr zu kommen. Die junge Frau will der Rechtsanwältin und ehmaligen Polizistin, Maria Kallio etwas brisantes erzählen. Zu diesem Gespräch kommt es aber nie, da Maria die junge Frau tot auffindet. Bald schon gerät der Freund der Ermordeten, welcher juristisch von Maria Kallio vertreten wird, ins Visier der Ermittler. Nach Maria Kallio’s Meinung, geht die Polizei zu schlampig und nicht detailliert genug bei der Aufklärung des Falls vor. Deshalb ergreift sie mehr und mehr die Initiative in der Ermittlungsarbeit, wobei auch der Selbstmord der Schwester des Verhafteten neu unter die Lupe genommen wird…

Insgesamt ist der Fall gut konstruiert, wird aber manchmal etwas langatmig beschrieben. Schön ist, dass sich die Hauptcharaktere bei Leehtolainen weiterentwickeln. Genauso, wie es auch die Beziehung zu ihrem Freund tut. Interessant ist die Tatsache, dass die Rechtsanwältin/Ermittlerin meist mit dem Fahrrad unterwegs ist. Dies bringt für mich die Gelassenheit der Nordeuropäer schön in die Handlung. Auf jeden Fall geht es wesentlich ruhiger zu, als in einer deutschen Stadt. Am Ende des Buchs werden noch alle Stereotypen eines Krimis (Verfolgungsjagd, …) untergebracht. Dies hätte man etwas eleganter und nicht so standardisiert machen können. Dies mindert aber nicht die Spannung des verwobenen Falles.

Leena Lehtolainen gehört definitiv zu den besseren skandinavischen (jaja, ich weiß Finnland gehört geographisch gesehen nicht zu Skandinavien) Schriftstellern. Es ist nach “Alle singen im Chor”, chronologisch gesehen der zweite Fall von Maria Kallio. Mittlerweile sind bei rororo neun Maria Kallio Fälle erschienen.

[Rezension] Der liebe Gott macht blau – Arto Paasilinna

Der Kranfahrer Pirjeri Ryynänen wird von Gott auserwählt, sein Stellvertreter zu sein, während er sich in seinen verdienten Urlaub begibt. Pirjeri hat während seiner “Amtszeit” mit diversen kleineren und größeren Problemen zu kämpfen, die er alle optimal zu lösen versucht. Eines seiner Projekte ist es, die Zentrale des Himmels von Rumänien nach Finnland zu verlegen. Desweiteren bekommt er es immer wieder mit dem Satan zu tun, der alles daran setzt, dass die Menschheit auf Erden, kein allzu schönes Leben hat.

Nach allem was ich bislang von Paasilinna gelesen habe, ist es meiner Meinung nach das schwächste Buch und ich war etwas enttäuscht. Der ungewöhnliche skurille Stil Paasilinna’s zeigt sich auch in diesem Buch wieder. Jedoch fehlt irgendwie ein richtiger Höhepunkt oder irgendetwas, das einen an das Buch fesselt. Die Handlung plätschert weitestgehend dahin und als Leser weiß man oft schon im Vorraus, was passieren wird. Insgesamt ist es ein leicht und flüssig zu lesendes Buch, auch wenn mir manchmal die absolute Motivation weiterzulesen, fehlte.