[Rezension] Die Känguru-Chroniken: Ansichten eines vorlauten Beuteltiers

hoerbuchchallenge-sidebar_quadratDie Känguru-Chroniken: Ansichten eines vorlauten Beuteltiers (Live und ungekürzt)

von Marc-Uwe Kling.

Erschienen bei Hörbuch Hamburg am 13.07.2012.

Was will man dazu eigentlich noch sagen? Man muss es gehört haben um mitreden zu können. Zumindest öffnet einem das Känguru die Augen und man bekommt einen völlig neuen Blick auf die alltäglichen Dinge des Lebens. Aber VORSICHT: Wenn ihr auf schrägen, sarkastischen, hintergründigen Humor steht, dann besteht ihr wirklich Suchtgefahr.

Kurz zu den Hauptprotagonisten:

Das Känguru: Vietcong-Veteran, Kommunist, Nirvana-Fan, leicht kleptomanisch veranlagt, süchtig nach Schnapspralinen

Marc-Uwe: Künstler*, Chronist der Handlung

*Kleinkünstler; Anm. d. Kängurus

Das vorlaute Beuteltier zieht eines Tages in die Wohnung gegenüber von Marc-Uwe. Nach einer schnellen und direkten Kontaktaufnahme durch das Känguru werden die beiden so etwas ähnliches wie Freunde (Känguru: „Ich glaube das ist der Beginn einer laaaangen Freundschaft.“). Deshalb dauert es auch nicht lange, bis sich das Känguru direkt in die Wohnung von Marc-Uwe einquartiert. Zusammen durchleben die beiden WG-Partner sämtliche Schwierigkeiten des Alltags. Wobei das Känguru, durch kluge Vorschläge, versucht sämtliche Probleme elegant und mit möglichst wenig arbeitsaufwand zu lösen. Eine der wichtigsten Aufgaben des Kängurus ist es aber, irgendwelche Revolutions-Gedanken zu verbreiten. Deshalb gehen die beiden auch auf Demos, führen Unterhaltungen mit Politikern und nebenbei schreibt das Känguru auch noch an seinem „unveröffentlichten Hauptwerk: Opportunismus und Repression“.

Wenn das Buch an einem nicht arm ist, dann sind es die realitätsnahen, geistreichen Sprüche des Kängurus:

„So ist das in der Welt. Der eine hat den Beutel; der and’re hat das Geld.“

Auch die links-gerichtete politische Gesinnung kommt immer wieder ans Tageslicht. Unter anderem gründet das Känguru einen Boxclub. Die Mitglieder werden selbstverständlich vom Känguru höchstpersönlich gedrillt und auch geistig eingestellt:

„Die erste Regel des Boxclubs lautet: Ihr redet nicht über den Boxclub.
Die zweite Regel des Boxclubs lautet: …ähm ich habs gleich…. Ihr redet nicht über den Boxclub. Und die dritte Regel des Boxclubs lautet: Wer einen Nazi sieht muss ihn boxen!“

Auch kommt es mit dem Kapitalismus nicht wirklich klar. Dies kommt bei amerikanischen Filmen genauso zum Ausdruck, wie auch in seinem unveröffentlichten Hauptwerk:

„Der Kapitalismus ist ein in jahrhundertelangem Arbeitskampf mühsam gefesseltes Monster, das Menschen frisst und Gold scheißt. Was wir in den letzten Jahrzehnten miterlebt haben, ist, wie die Leute, auf die das Gold geschissen wird, die Ketten des Monsters gesprengt haben, damit es wieder mehr Menschen frisst und noch mehr Gold scheißt und man kann nur hoffen, dass diese Leute irgendwann von den herabfallenden Goldklumpen erschlagen werden.“

„Kapitalismus is scheiße!“

Wenn man sich mit den Hauptpersonen genügend auseinandergesetzt hat, taucht in der Geschichte noch der Widersacher des Kängurus auf – der Pinguin.

„Hast du was gemerkt? Er ist wirklich mein Gegenspieler.“

Wenn ihr befreit auflachen wollt, vergesst alles und lasst euch vom Känguru inspirieren. Dieses Hörbuch ist nicht dafür gemacht, nur einmal gehört zu werden. Es wird eine Art Sucht. Und je mehr Menschen im eigenen Umfeld mit den Ansichten des Kängurus vertraut sind, umso mehr Spaß macht es, dieses Meisterwerk ein weiteres Mal anzuhören. Man will ja schließlich beim nächsten Mal als erster das, zur Situation passende Känguru-Zitat ins Gespräch einwerfen.

Hinzuzufügen ist noch, dass Marc-Uwe Kling die Charaktere wirklich brilliant und mit viel Liebe spricht. Einfach ein Genuss für die Ohren. Absolute Kaufempfehlung.

Wer noch nicht genug von den beiden hat:
der zweite Teil der Trilogie heißt: Das Känguru-Manifest
und der dritte Teil ist in Arbeit. Daraus liest der Autor bereits bei Lesungen. Auf das Buch und das Hörbuch mit dem Titel: Die Känguru-Offenbarungen – muss man aber noch warten.
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